Weinbau in Harxheim – Weinlese in früheren Zeiten
In früheren Zeiten lief die Weinlese ausschließlich manuell ab. Das war beschwerlich und hat viel Zeit gekostet. Aber es gab auch die schönen Seiten.
Um den „Herbst“, das heißt die Weinlese, zu beginnen, war ein Gemeinderatsbeschluss von Nöten. Die Bekanntmachung wurde entsprechend vom Ortsdiener ausgeschellt. Die Lesezeit kündigte jeden Tag die große Kirchenglocke durch das „Hinaus- und Heimläuten“ an. Außerhalb dieser Zeit waren die Weinberge geschlossen. Zur Mittagszeit gingen die fleißigen Handleserinnen und Handleser nicht nach Hause, sondern blieben in den Weinbergen und nahmen eine gemeinsame Imbs ibber Unnere, das heißt eine Mahlzeit um die Mittagsstunde (rheinhessisch „im/ibber Unnere“ ist die Mittagszeit ca. zwischen 11 Uhr und 13 Uhr) ein.
Das 11 Uhr- und das 13 Uhr-Läuten wurden früher durch die Kirchenglocke angezeigt. Zur Imbs wurden Pellkartoffeln (rheinhessisch „Gequellte“), Wurst und Quark (rheinhessisch „weiche Käs“) gereicht. Während der Lese stimmte der Weinbergsbesitzer gerne mit allen ein Liedchen an, um die Leserinnen und Leser am Naschen der Trauben zu hindern. Um möglichst jedes „Pergelche“ (eine einzelne Beere) aufzufangen, wurden gerne Schüsseln verwendet.
Zum Ende der Lese zogen mit der letzten Fuhre alle Winzerinnen, Winzer und Helfer durch das Dorf, voran ein Fuhrwerk mit dem „Ladfass“. Auf diesem saß eine besondere Symbolfigur, „die Herbstmuck“. Diese wurde durch eine Leserin dargestellt, die einen Krug neuen Weins in Händen hielt. Alle Leserinnen und Leser trafen sich danach zur „Schluss-Imbs“.
Quellenangaben:
Auszug aus dem Beitrag von Reßler, Tanja (2017): Weinbau in Harxheim. In: Ortsgemeinde Harxheim (Hrsg.): Festbuch 2017. Harxheim. Eintausendzweihundertfünfzig. Selzen. S. 108 – 110.