Die katholische Kirche in Harxheim
Nach Beendigung des Simultaneums 1869 errichteten die Katholiken 1870 ihre eigene Kirche direkt gegenüber der evangelischen Kirche. Sie wurde dem Heiligen Laurentius geweiht.
Die Kirche ist im Denkmalverzeichnis des Kreises Mainz-Bingen aufgeführt.
1869 hatte die katholische Gemeinde in einem Vergleich gegen eine Entschädigung auf das ihr richterlich zugesprochene Miteigentumsrecht an der evangelischen Kirche verzichtet. Damit war der Weg für die Errichtung einer eigenen Kirche vorgezeichnet. Sie sollte – wie nachträglich zu den Vergleichsbestimmungen zwischen Katholiken und Protestanten vereinbart – schräg gegenüber der schon bestehenden Kirche stehen. Maurermeister Philipp Nostadt aus Ebersheim führte den Bau aus. Die Kirche wurde bereits Ende 1870 fertiggestellt und am 22. Dezember des Jahres dem Heiligen Laurentius geweiht.
Das Kirchengebäude ist ein einschiffiger, zwischenzeitlich verputzter Backsteinbau mit Rundbogenfenstern. Auf dem Dach sitzt ein quadratischer Dachreiter, der von einem Spitzhelm gekrönt wird. Die Kirchenorgel, die heute noch genutzt wird, erklang erstmals im Jahr 1880 in der Kirche. Die katholische Gemeinde in Harxheim hatte sie damals für 185 Mark erworben. Sie wurde 1852 vom Orgelbauer Ratzmann in Gelnhausen für die Pfarrkirche von Mühlheim am Main erbaut.
Bereits 14 Jahre nach der Errichtung, im Jahr 1884, wurde das Kirchengebäude zum ersten Mal restauriert. Maurermeister Johann Kreuzberg aus Lörzweiler führte die Arbeiten aus. In dieser Zeit fand der werktägliche Gottesdienst im Haus der Familie Lambinet in der Untergasse 21 statt. Familie Lambinet stiftete auch 1893 das links vom Eingang stehende steinerne Kreuz. Auf die Initiative dieser Familie geht übrigens ebenfalls das 1864 errichtete Kapellchen zurück.
Früheres Erscheinungsbild des Altarraums der katholischen Kirche, links das wertvolle Marienbild von Hilarius Kleinhanß
Bildquelle: Ralf Walter
Nach Fertigstellung des Kirchenbaus war die Kirche auszustatten und hierbei auf Spenden angewiesen. Besonders verdient machte sich in diesem Zusammenhang Hilarius Kleinhanß aus Rochester im Staat New York. Der gebürtige Harxheimer war Jahrzehnte zuvor als armer Mann mit seiner Familie in die USA ausgewandert und hatte es dort zu Reichtum gebracht. Die Kirche verdankt ihm ein wertvolles Madonnenbild, das sich heute auf der Empore befindet. Hilarius Kleinhanß erwarb dieses Bild auf einer Europareise in Rom und ließ es vom damaligen Papst Leo XIII segnen, bevor er es in Harxheim als Geschenk übergab. Er schenkte der Kirche auch noch weitere Bilder und finanzierte überdies Messgewänder.
Das Madonnenbild aus Rom wurde übrigens in größerer Auflage erstellt. Wilhelm Emmanuel von Ketteler, Mainzer Bischof von 1850 – 1877 und bekannt als einer der wichtigen Wegbereiter der katholischen Soziallehre, erhielt bei einer Romreise ein gleiches Madonnenbild geschenkt. Es hängt heute in der der St. Gotthard-Kapelle im Mainzer Dom.
Besonders erwähnenswert im heutigen Kircheninnern ist auch der reich ausgestattete neugotische Schreinaltar (um 1900) mit Statuen von Johannes dem Täufer und dem Heiligen Nikolaus an den beiden Seiten (beide Barock, Mitte 18. Jahrhundert). Zu den besonderen Ausstattungsstücken zählen überdies links im Kirchenschiff eine Pietà sowie rechts hinten eine Maria Immaculata (unbefleckte Maria), dargestellt mit Strahlenkranz und stehend auf einer von einer Schlange umschlängelten Weltkugel. Beide Kunstwerke stammen von Martin Biterich (1691 bis 1759), der aus Südtirol kam und in Mainz sesshaft wurde. Er hat in seiner Mainzer Werkstatt eine sehr große Anzahl von Figuren aus Holz und Stein für unsere Region geschaffen.
In Mainz befindet sich übrigens eine als Harxheimer Madonna bekannte Statue, ebenfalls eine Immacultata mit Weltkugel und Schlange. Sie steht auf dem 1932 im Kirschgarten in der Mainzer Altstadt aufgestellten Brunnen. Es handelt sich um eine Kopie der Harxheimer Madonna, die im Besitz des Landesmuseums in Mainz ist. Leider ist dort keine Dokumentation erhalten, wann und unter welchen Umständen die Madonna in Besitz des Museums kam. Es ist auch nicht bekannt, warum der Name der Figur Bezug auf Harxheim nimmt. (1)
Quellenangaben:
Krienke, Dieter (2011): Verbandsgemeinden Bodenheim, Guntersblum und Nieder-Olm. In: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege 18, Kreis Mainz-Bingen (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Worms.
Rick, Josef (1967): Weinbaugemeinde Harxheim. In: Gemeinde Harxheim (Hrsg.): Festschrift. 1200 Jahre Weinbaugemeinde Harxheim.
Walter, Ralf (2017): Die katholische Kirchengemeinde. In: Ortgemeinde Harxheim (Hrsg.): Festbuch 2017. Harxheim. Eintausendzweihundertfünfzig. Selzen. S. 62 – 67.
Familie Friedrich: Aus der Chronik über Harxheim. Sammlung verschiedener Überlieferungen. (“Hausbuch Friedrich“).
(1) Auskunft des Landesmuseums Mainz, Museologie/ Dokumentation